„You’re not Luke Skywalker, you’re Yoda.“ Nancy Duartes Storytelling-Ansatz

Vor kurzem ging eine Präsentation von Nancy Duarte auf TED.com online. Das Video entstand bei der TEDx East im November 2010.

Mein Tipp: Anschauen. Ich wollte einen (!) Blogpost dazu schreiben, merke aber, dass es mehrere werden, deshalb heute zunächst drei grundsätzliche Punkte dazu, was Nancy Duarte im Storytelling für wichtig hält.

Nancy Duartes Kernbotschaft ist: „You can change the world.“ Sie selbst nennt dieses Intro ein „Cliché“ und erklärt es deshalb genauer: Jeder von uns hat das Potenzial, die Welt zu verändern – mit einer Idee. Aber nur, wenn wir diese Idee derart kommunizieren (gemeint ist natürlich präsentieren), dass sie Nachhall erzeugt, wird sie die Menschen, mit denen wir kommunizieren und deren/unsere Welt verändern. In allem, was Nancy Duarte inhaltlich zum Storytelling sagt, pflichte ich ihr vorbehaltlos bei. Drei Punkte möchte ich herausheben und aus meiner Sicht kommentieren.

I. Storytelling = Mitreißen!

Wann sollte man eine Präsentation wie eine Geschichte aufbauen? Antwort: Dann, wenn es als Redner mein vorrangiges Ziel ist, Menschen zu einer Handlung zu bewegen oder eine Verhaltensänderung bei ihnen zu bewirken. Die Geschichte dient dabei als Vergleich – sie schildert das ‚heilsbringende‘ Verhalten (Nancy Duarte: „the new bliss“), das wir bei unseren Zuhörern bewirken möchten, in alltäglicher oder sehr metaphorischer Form. Die Skala von alltäglich bis metaphorisch ist dabei sehr breit, die Art meines Storytellings mache ich daher davon abhängig, wie ’sachlich‘ die Zielgruppe ist (dann eher alltägliche Story), aber auch davon, wie ‚heikel‘ das momentan ‚unerwünschte‘ oder ‚ungesunde‘ Verhalten ist (dann eher metaphorische Verklausulierung).

Ein anderes kommunikatives Ziel einer Präsentation könnte übrigens sein: die Zuhörer sollen mein Konzept, Produkt etc. verstehen; oder: ich möchte meine Glaubwürdigkeit z.B. als Experte unterstreichen. In solchen Fällen ist Storytelling nicht so entscheidend wie beim Kommunikationsziel „neues/anderes Handeln der ‚Betroffenen'“. Nancy Duarte fragt außerdem: Wie kommt es, dass uns Geschichten in jeder Hinsicht emotional mitnehmen, Präsentationen aber sehr selten? Ich denke, es liegt u.a. daran, dass wir uns selten trauen, die Verantwortung für eine solche emotionale Berg- und Talfahrt (siehe Nancys eigenes Storytelling-Modell) zu übernehmen. Denn wir sind im übertragenen Sinne die Mentoren unseres Publikums. Was zum zweiten Punkt führt…

II. „You’re not Luke Skywalker – you’re Yoda“.

Nancy Duarte erklärt, wie sie sich dem Thema Storytelling genähert hat. Dabei hat sie u.a. das erzähltheoretische Modell der Heldenreise nach Joseph Campbell und Christopher Vogler zur Hilfe genommen. Ich finde es im Sinne der inhaltlichen Verknappung sehr gelungen, dass sie sich zunächst auf die ersten fünf der zwölf Etappen der Heldenreise bei Campbell und Vogler konzentriert und diese dann auf nur drei Punkte kondensiert:

Ganz entscheidend als Geschichten erzählender Präsentator ist ihrzufolge: Wir sind nicht der Held der Geschichte, sondern der Mentor des Helden. Denn wir wissen schon, was seine Veränderung sein wird (unsere Idee – s.o.). Daraus ergeben sich für uns als Mentor/Geschichtenerzähler meines Erachtens folgende Aufgaben:

  1. Identifiziere Deinen Helden – in diesem Fall Deine Zielgruppe, die Zuhörer, Teilnehmer Deiner Präsentation und das, was an ihnen liebenswert und sympathisch ist (s.u.).
  2. Benenne die Hindernisse – zeige Deinen Helden Möglichkeiten auf, wie sie diese aus dem Weg räumen können und unterstütze sie aktiv dabei. Yoda hat schließlich auch ein Laserschwert. Und Dumbledore kämpft an der Seite Harry Potters mit dem Zauberstab…
  3. Es geht um eine Veränderung – als guter Mentor solltest Du den richtigen Zeitpunkt in der Geschichte (er)kennen, zu dem Dein Schützling/der Held reif dafür ist, dass er diese Veränderung schon als Vision vor Augen hat. Mit Luke Skywalker kenne ich mich nicht so aus, aber ich weiß, dass Harry Potter erst im Laufe von Band 4 oder 5 klar wird, dass er als Teenager das große Ganze also die gesamte magische Welt retten muss.

III. Ohne aufrichtige Wertschätzung für den Helden bleibt Storytelling wirkungslos

Nancy Duarte sagt nicht umsonst, der Held solle „likeable“ also liebenswert/sympathisch sein. Das brachte mich auf folgenden Gedankengang: Stellen wir uns vor, wir möchten einen relativ beratungsresistenten, grummeligen Kunden von einem neuen Konzept überzeugen, für das er bisherige Verhaltensweisen aufgeben muss. Es ist entscheidend, dass WIR als die Mentoren und Geschichtenerzähler diesen Helden liebenswert und sympathisch finden. D.h. wenn uns dieser Held nicht von vornherein sympathisch und liebenswert erscheint, müssen zunächst wir unsere Haltung ihm gegenüber verändern und unser Verhalten aufrichtig wertschätzend ausrichten. Ich muss bereit sein, sein Problem zu meinem zu machen, d.h. seine Herausforderung mit ihm zu durchleben. Denn seien wir mal ehrlich: Nur wenn ich meine Zielgruppe mag, bin ich doch bereit, ihr zu einer Veränderung zu verhelfen, die sie zu einem meines Erachtens ‚besseren‘ Handeln bringt, durch das sie ja extrem mächtig bzw. erfolgreich bzw. gut wird. D.h. wir müssen zuallererst und vor allen Dingen den Dumbledore’schen Glauben an das Gute in unserem Held haben (s. auch Empathie).

Mein persönlicher Rat an Geschichten erzählende Präsentierende daher: „You’re not Harry Potter – you’re Dumbeldore.“

Demnächst geht’s weiter mit Inspirationen und Tipps aus Nancy Duartes Vortrag sowie mit meinen Kommentaren dazu. Stay tuned.

Caroline Kliemt, reichweite-Beratung

4 Gedanken zu „„You’re not Luke Skywalker, you’re Yoda.“ Nancy Duartes Storytelling-Ansatz

  1. I read this in English, or at least the quasi-English that Google used in its translation of your post. Please excuse my inability to comment in German.

    I wanted to comment on the your idea of seeing yourself not as the hero, but the hero’s mentor. Maybe that should be Mentor with a capital M, but then we’ve moved from Star Wars to the Trojan War.

    There’s a joking definition that says a manager is someone who makes other people do the work. One reason the joke works is because it’s true: if you’re the manager, one of your main tasks is to make it possible for people to do their work, not to do that work yourself.

    Along those lines, I once heard a presenter talking to a group of new managers. He stressed that part of the manager’s job is to help other people to succeed.

    To illustrate this, he showed a few clips from the movie ”The Karate Kid.” I’m sure you recall the hard work that Mr. Miyagi put the kid through–washing cars, doing all kinds of chores. In frustration one day, the kid started yelling, and so Mr Miyagi acts as if he’s going to strike the kid–whose hand, trained by all the repetitive motion, flies up to block the blow.

    (This is that scene.)

    It’s easy for the future manager to see the point of this. But that scene was not the presenter’s main point. For that, he showed the end of the movie, when the kid wins the big karate competition. As the crowd cheered, the presenter paused the film and said:

    ”If at this moment you are identifying with the kid, and not with Mr. Miyagi, maybe you are not ready to be a manager.”

    Now that is a Mentor.

    • Thanks for this comment, Dave. The presenter you write about here was a clever – and maybe I’ll use this or other examples (identifying with Harry Potter instead of Dumbledore?!) in the future. It’s hard to be like that and to profoundly trust the mentee that he/she/they will do the right thing in the end, i.e. to guide them first and then let them go. Best wishes and thanks again, Caroline

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